Sei doch kein Frosch

Ein Mitspielstück für Kinder ab 5 Jahren
Idee: Bernd Niegemann, Spiel: Christiane Burkhard, Anka Sander, Bernd Niegemann, Rudolf Schmid, Raimund Dischner

Pressestimme
Das „Fliegende Theater Berlin“ versucht sich am Schwierigsten überhaupt: Mitspieltheater für Kinder
Langsam hat man den Eindruck , daß in Berlin die Kindertheater wie Pilze aus dem Boden schießen. Soviel stimmt zumindest: In diesem maßlos unterbewerteten Theaterbereich, dem emanzipatorischen Kindertheater, wachsen langsam junge Theatergruppen nach, die allerdings selbst noch in den Kinderschuhen – sprich in der Experimentierphase – stecken. Und das ist ja erstmal nichts Schlechtes. Denn Kinder- und Jugendtheater mit sinnvollen Mitspiel- bzw. Animationsaktionen ist ein echt hartes Brot für die Theatermacher und bedingt ein hohes Maß an Verantwortungsbewußtsein. Berlin hat hier viele positive (Vorzeige-) Theater: Grips, Grütze, Birne, an deren Arbeit und Erfahrungen sich mittlerweile Kinder- und Jugendtheater in der ganzen Welt orientieren. Nur hat dies auch einen Haken, denn einfach mal nachspielen „is nich“. Sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Erfolgsrezepte fehlen. (Vorhandene Literatur besteht vorwiegend aus Stückabdrucken, Nachbereitungsmaterialien für Schule und Eltern, Stückkritiken und meist subjektiven Erfahrungsberichten.) Und noch etwas ist in diesem Genre von Nachteil: Uneıngeschränkte Begeisterung der Zuschauer – in diesem Fall die Kinder – sollte nicht unbedingt einziger Maßstab für die Theatergruppen sein, sind Kinder doch in der Mehrzahl zu kritikloser Konsumentenhaltung (v)erzogen. Die flippen nämlich auch bei Schweinchen Dick aus.
Wir wollen in diesem ZITTY-Heft eine noch junge freie Theatergruppe vorstellen, die sich mit Elan dem emanzipatorischen Kindertheater verschrieben habt. Es ist dies das „Fliegende Theater Berlin“. Die Truppe versucht Mitspielmöglichkeiten für die Zuschauerkinder in die einzelnen Spielszenen mit einzubeziehen. Ihr erstes Kinderstück heißt „Sei doch kein Frosch“, und wurde nach einer Textvorlage eines Gruppenmitgliedes einstudiert. Das ,FTB“, das sind Studenten der Theaterwissenschaft und Psychologie, Erzieher und Musiker, die alle keinerlei Vorerfahrungen, geschweige denn Ausbildung in irgendeinem Bereich des Theaters genossen haben. Desto kühner ist ihr Entschluß, ihren Arbeitsschwerpunkt auf den Kindertheaterbereich „mit einem Akzent auf Mitspiel und Amation“ zu legen, wie es in ihrem Gruppenınfo heißt. Sie haben eine Präsentationsmischform von Menschen, Puppen, Masken und Musik gefunden.
Ihr Kinderstück ist eine Art Fabel , in der zwei Mäuse und ein Frosch heftige Auseinandersetzungen miteinander haben. Da sind erstmal der Mäusejunge Ferdinand, ängstlich und verhätschelt, und Freddy , eine motzende und sehr selbstbewußte Starßengöre. Beide treffen sich zum Spiel auf der Straße. Da geht natürlich nicht alles glatt. Ferdinand ist ans phantasielose Spieleug der Spielwarenindustrie gewöhnt, während Freddy nur einen Schal braucht, um damit Eisenbahn zu spielen. Diese, für Ferdinand ungewöhnliche Spielphantasie überzeugt nicht nur ihn, sondern auch die zuschauenden Kinder, die sich, eine lange Kette bildend, am lustigen Eisenbahnspiel beteiligen können. Das ganze Spiel geht natürlich nicht lautlos vor sich. Und hier tritt der Frosch auf den Plan, der sich durch das Spiel der Kinder empfindlich in seiner Ruhe gestört fühlt. Seine Parole: „Spielen verboten“ schmeckt weder den beiden Mäusen, noch den Zuschauern. Und nachdem der große Frosch im weiteren Verlauf des Stückes auch andere Spielaktionen stört, beschließen die beiden Mäuse, mit Hilfe der Zuschauerkinder dem Frosch eine gehörige Lektion zu verpassen. Dazu verteilen die Spieler Farbtöpfe an die Kinder, damit sich jeder sein Gesicht zu einer angsteinflößenden Maske schminken kann. Die Wirkung bleibt nicht aus. Der Frosch wird erfolgreich und mit großem Geschrei von allen in die Flucht geschlagen. Motto: „Wer sich nicht wehrt – lebt verkehrt.“ Angereichert ist alles mit viel Musik und mit ungewöhnlich großen und lustigen Puppen. Manchmal hatte ich den Eindruck, daß die Mitspielszenen ein wenig zu früh einsetzten, die einmal begonnenen Spielaktionen mußten abgebrochen werden, um die Spielhandlung weiterzutreiben. Das hatte zur Folge, daß die Kinder teilweise frustriert auf ihre Plätze zurück mußten. Daß da noch an der einen oder anderen Stelle das Mitspiel klemmt , ist aber nicht sonderlich tragisch. Die Gruppe fängt schließlich erst an, und man kann die Perfektion, die sich z.B. das „Birnekollektiv“ in jahrelanger Arbeit mühsam erworben hat, eigentlich nicht schon beim ersten Stück erwarten. Fazit: Das „Fliegende Theater Berlin“ ist eine wirklich ernstzunehmende Bereicherung in der Berliner Kindertheaterszene.

ZITTY Berlin