Der Adler, der nicht fliegen wollte

Nach der gleichnamigen Geschichte von James Aggrey
Altersempfehlung 4-9 Jahren
Regie: Ulrike Winkelmann, Spiel: Rudolf Schmid, N.N.
Gefördert vom Senat für  Kultur und Europa
Premiere April 2023

Geschichte
Ein Bauer findet ein Adlerküken, das aus dem Nest gefallen ist und nimmt es mit nach Hause. Er steckt es zu den Hühnern in den Stall und gibt ihm Hühnerfutter zu fressen. Im Laufe der Zeit verhält sich der Adler wie die Hühner, scharrt nach Körnern und hockt mit ihnen auf der Stange. Nach einiger Zeit kommt ein Naturforscher auf den Hof. „Der Vogel da ist kein Huhn, er ist ein Adler!“ sagt er zu dem Bauern. „Ja, aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr,“ antwortet ihm der. „Nein, er ist immer noch ein Adler, und eines Tages wird er fliegen!“ wiedersprach ihm der Naturforscher „Nein, nein“, meint der Bauer. „Er hat längt vergessen, dass er ein Adler ist und wird niemals fliegen.“ Da beschließen sie eine Probe zu machen.

Der Naturforscher setzt den Adler auf die Hand und sagt: „Du bist eine Adler, breite die Flügel aus und flieg!“ Aber der Adler springt zu den Hühnern auf den Boden . „Ich hab’s dir gesagt, er ist ein Huhn!“ sagt der Bauer. Am nächsten Tag  steigt der Naturforscher mit dem Adler auf das Hausdach, doch auch dieser versuch misslingt. Schließlich nimmt er den Adler mit in die Berge, von dort ist der Hühnerstall nicht mehr zu sehen. Und da  überkommt ihn plötzlich seine Natur: Er breitet seine  Flügel aus, erhebt sich mit einem Adlerschrei, fliegt höher und höher und kehrt nicht mehr zurück.

Vorlage
Die Geschichte „Der Adler“ hat James Aggrey aus Ghana in Westafrika Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben. Sie endet eigentlich mit den Sätzen: “Völker Afrikas! Wir sind nach dem Ebenbild Gottes geschaffen, aber Menschen haben uns beigebracht, wie Hühner zu denken. Aber wir sind Adler. Darum breitet euere Schwingen aus und fliegt! Und seid niemals zufrieden mit den hingeworfenen Körnern.“ Er richtete sich damit an die vom Kolonialismus unterdrückten Völker Afrikas. Ich finde, die Geschichte sollte man auch Kinder erzählen. Sie ist auch eine Parabel auf eine Pädagogik, die die Talente der Kinder fördert und sie nicht zugunsten eines standardisierten Bildungsformats verkümmern lässt.

Inszenierung
Die Geschichte ist dialektisch angelegt: Der Bauer behauptet, der Adler sei als Ergebnis seiner Erziehung zum „Nutztier“ nun ein Huhn. Der Naturkundler dagegen behauptet, der Adler sei seiner Natur nach ein Adler, und das könne eine wie auch immer geartetet Erziehung nur unterdrücken, jedoch nicht auslöschen. Wer recht hat, darauf wetten sie. Diese Dialektik verkörpern auch die beiden Spieler in der Inszenierung.

Technische Bedingungen
Bühnenfläche 6 x 4 m
Raumhöhe 2,90 m
2 Stromanschlüsse à 220 V (16 A)
Verdunkelbarer Raum
Begrenzung auf 140 Zuschauer
Licht- und Tontechnik bringen wir mit