Fliegendes Theater: Förderabsage bedroht Berliner Kindertheater
Veröffentlicht am 19.07.2025 // In Aktuelles
Nach 17 Jahren kontinuierlicher Förderung streicht Berlin dem Fliegenden Theater die Basisförderung – was genau bedeutet das eigentlich?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Fliegende Theater erhält keine Basisförderung mehr für 2026/2027
- Kreuzberg und Neukölln drohen ihr einziges regelmäßig spielendes Kindertheater zu verlieren
- Politischer Druck kann die Entscheidung noch beeinflussen
Die Schockwelle vom 16. Juli 2025
Am 16. Juli 2025 erreichte das Fliegende Theater in Berlin-Kreuzberg eine Nachricht, die das Ende einer Ära bedeuten könnte. Die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt teilte mit, dass die „Zweijährige Basisförderung im Bereich Darstellende Künste/Tanz“ für die Jahre 2026 und 2027 nicht mehr gewährt wird. Diese Förderung hatte das Theater seit 2008 kontinuierlich erhalten – insgesamt 17 Jahre lang.
Die Pressemitteilung des Senats listete 16 geförderte Produktionsorte auf. Das Fliegende Theater stand nicht darunter. Aus 114 eingereichten Anträgen hatte eine siebenköpfige Jury ihre Empfehlungen ausgesprochen. Das traditionsreiche Kindertheater gehörte nicht zu den Auserwählten.
Was bedeutet diese Absage konkret?
Für das Theater selbst
Das Fliegende Theater benötigt jährlich mindestens 67.000 Euro aus der Kulturförderung Berlin, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten. Ohne diese Summe droht die Schließung der Spielstätte in der Urbanstraße 100. Dabei erwirtschaftet das Theater bereits zwei Drittel seines Budgets selbst – ein außergewöhnlich hoher Eigenanteil für ein Kindertheater.
Das Ensemble beschäftigt sich seit 1978 mit der Entwicklung von Figurentheater-Inszenierungen. 28 Produktionen stehen derzeit im Repertoire, alle speziell für Kinder zwischen zwei und elf Jahren konzipiert. Diese Vielfalt macht das Theater zu einem der profiliertesten Figurentheater Berlins.
Für die jungen Zuschauer
Das Fliegende Theater ist das einzige Kindertheater mit regelmäßigem Spielbetrieb in den Bezirken Kreuzberg und Neukölln. Seine Schließung würde eine kulturelle Lücke reißen, die nicht ohne weiteres durch andere Angebote kompensiert werden kann.
Die niedrigen Eintrittspreise von acht Euro (sechs Euro ermäßigt für Gruppen) ermöglichen auch Familien mit geringem Einkommen den Zugang. In einem Kiez, der von sozialer Vielfalt und teilweise prekären Verhältnissen geprägt ist, erfüllt das Theater eine wichtige gesellschaftliche Funktion als erster Berührungspunkt mit professioneller Bühnenkunst.
Für den Bildungssektor
Das Fliegende Theater ist das einzige Kindertheater mit regelmäßigem Spielbetrieb in den Bezirken Kreuzberg und Neukölln. Für die zahlreichen Kitas und Grundschulen der Region bedeutet das kurze Wege und damit praktikable Kulturerfahrungen für ihre Schützlinge.
Längere Anfahrten zu anderen Theatern sind für Gruppen mit sehr jungen Kindern oft nicht durchführbar. Der Wegfall dieser kulturellen Infrastruktur würde eine Lücke reißen, die nicht ohne weiteres durch andere Angebote kompensiert werden kann.
Die kulturpolitische Dimension
Bewährte Förderpraxis wird beendet
Die Basisförderung sollte Planungssicherheit schaffen und etablierte Strukturen stärken. Das Fliegende Theater hatte diese Förderung 17 Jahre lang erhalten und dabei seine Position als kultureller Anker im Kiez kontinuierlich ausgebaut. Die wachsende Bedeutung zeigt sich in steigenden Besucherzahlen: von 10.300 Zuschauern 2022 auf 12.700 im Jahr 2024.
Diese Entwicklung zeigt, dass die Förderung ihren Zweck erfüllt hat. Dennoch fiel die Jury-Entscheidung gegen eine Fortsetzung aus. Die Begründung der Entscheidung ist bisher nicht öffentlich kommuniziert worden.
Künstlerische Anerkennung als Argument
Das Fliegende Theater kann auf beachtliche Erfolge verweisen. Acht Nominierungen für den IKARUS-Preis und zwei Auszeichnungen belegen die künstlerische Qualität der Arbeit. Auch internationale Anerkennung wurde dem Theater zuteil – das Goethe-Institut engagierte die Truppe für weltweite Gastauftritte.
Diese Referenzen unterstreichen, dass es sich nicht um ein beliebiges Kulturangebot handelt, sondern um eine Institution mit überregionaler Ausstrahlung.
Noch ist nicht alles verloren
Das Fliegende Theater kämpft um sein Überleben. Das Ensemble hat deutlich gemacht, dass es alle verfügbaren Mittel ausschöpfen will, um die Förderentscheidung zu revidieren oder alternative Finanzierungsquellen zu erschließen.
Die nächsten Wochen und Monate werden entscheidend sein. Wenn genügend Menschen ihre Stimme erheben und politischen Druck ausüben, besteht noch Hoffnung auf eine Kurskorrektur.
Wer das Theater unterstützen möchte, sollte zeitnah handeln. Jede Kontaktaufnahme mit politischen Vertretern, jede öffentliche Stellungnahme und jede Solidaritätsbekundung kann dazu beitragen, dass Berlin sein traditionsreiches Kindertheater behält.
Fazit
Die Förderabsage für das Fliegende Theater ist mehr als eine kulturpolitische Entscheidung – sie bedroht eine 45 Jahre gewachsene kulturelle Institution in einem der vielfältigsten Berliner Kieze. Nach 17 Jahren erfolgreicher Förderung steht eine bewährte Einrichtung vor dem Aus.
Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben. Politischer Druck und öffentliche Unterstützung können noch eine Wende bewirken. Wer sich für kulturelle Bildung und den Erhalt gewachsener Strukturen einsetzt, sollte jetzt aktiv werden. Das Fliegende Theater als wichtiger kultureller Anker in Kreuzberg-Neukölln hat diese Unterstützung verdient.
Jetzt handeln – bevor der Vorhang für immer fällt!
Der Berliner Kultursenat hat uns die Basisförderung gestrichen – eine Entscheidung, die unsere Spielstätte und unser Ensemble existenziell bedroht.
Wie Sie uns unterstützen können!
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