Elternstimmen für das Fliegende Theater
Veröffentlicht am 27.08.2025
Ein Dankeschön an alle, die ihre Stimme erheben
Nach 45 Jahren droht dem Fliegenden Theater das Ende – doch die Resonanz ist überwältigend.
Die Nachricht vom drohenden Förderstopp traf das Fliegende Theater wie ein Schock. Seit Juli 2025 wissen Rudolf Schmid und sein Team: Ohne die Basisförderung von 67.000 Euro jährlich müssen sie schließen. Was folgte, war eine Welle der Solidarität. Hunderte Briefe, E-Mails, Bilder, Videos und Kurznachrichten erreichten das Theater. Eltern, Großeltern, Lehrer:innen und Erzieher:innen – sie alle teilen ihre Geschichten. Sie erzählen von magischen Momenten, von Kindern, die zum ersten Mal Theater erleben, von Familien, die hier zusammenfinden.
Diese Stimmen sind mehr als Unterstützungsbekundungen. Sie dokumentieren, was in akuter Gefahr ist: ein Ort kultureller Bildung mitten im sozialen Brennpunkt Kreuzberg-Neukölln. Einen Raum, in dem Fantasie noch mit einfachen Mitteln entsteht, nicht auf Bildschirmen.
Was Eltern über das Theater sagen
Die emotionalsten Zeugnisse kommen von denen, die das Theater mit Kinderaugen sehen.
Claudia, Mutter des sechsjährigen Artur, findet bewegende Worte: „Unsere Lieblingsgeschichten von Janosch wurden auf soo wunderbare Weise lebendig, bei ‚Ein Haus erzählt‘ flossen im Nachgang sogar Tränen und die Kleine Wolke hat uns nochmal vor Augen geführt, wie wahnsinnig wichtig der Regen ist. So viel Wissen, so viel Sensibilisierung, so viele schöne geteilte Momente mit Freunden – ich kann gar nicht in Worte kleiden, wie wichtig die Erfahrung von Theaterbesuchen für Kinder ist.“
Diese Intensität teilen viele. Familie Albertshofer aus Neukölln besucht das Theater seit vier Jahren regelmäßig. Ihr Fazit: „Jedes Mal waren wir und vor allem unser Sohn vollkommen begeistert. Die Stücke sind liebevoll und professionell gemacht, behandeln wichtige, pädagogisch wertvolle Themen und schaffen es dabei, nicht nur Kinder, sondern auch uns Erwachsene ins Staunen zu versetzen.“
Agnes Raucamp erinnert sich an die besonderen Umstände ihrer Theaterbesuche: „Als berufstätige Mutter mit zwei jungen Kindern, deren Mann und Vater zeitweise in einer anderen Stadt arbeitete, waren die Besuche im Fliegenden Theater immer ein Highlight. Die bezaubernden Vorstellungen, die Musik, die atemlosen Kinder, das Dazwischen-Rufen, das Klatschen, das Lachen, das Staunen – was für ein Erlebnis!“
Mehr als Unterhaltung – Bildung und Integration
Pädagogen und Wissenschaftler bestätigen die Bedeutung für Sprachbildung und soziale Entwicklung.
Prof. Dr. Andrea Scott, die 2022 mit ihrer Familie aus den USA nach Berlin zog, sieht das Theater als Integrationshilfe: „Das Kindertheater war für uns ein zentraler Bestandteil unseres Integrationsprozesses. Ich wollte, dass meine Tochter der deutschen Sprache auf zauberhafte Weise begegnet.“ Als Professorin mit Forschungsschwerpunkt auf Zugehörigkeit und Partizipation weiß sie um die Bedeutung solcher Orte.
Besonders im Kiez Kreuzberg-Neukölln, wo viele Kinder aus bildungsfernen Familien stammen, wirkt das Theater. Die Kita Lucy-Lameck-Straße, langjähriger TUKI-Partner, betont: „Für viele unserer Kinder – insbesondere aus Familien mit begrenztem Zugang zu kulturellen Angeboten – ist das Fliegende Theater ein einzigartiger Erfahrungsraum, der weit über den Kita-Alltag hinauswirkt.“
Markus Simon aus dem Graefekiez bringt es auf den Punkt: „Das Fliegende Theater ist für uns, unsere Kinder und ihre Großeltern ein magischer Anlaufpunkt. Wir haben Stücke gesehen, die die Fantasie beflügeln, die liebevoll, klug und poetisch sind, die begeistern und nachhallen.“
Die gesellschaftliche Dimension
Kulturelle Teilhabe ist kein Luxus – sie ist ein Grundrecht nach UN-Kinderrechtskonvention.
Die drohende Schließung trifft nicht nur 11.000 Kinder jährlich. Sie symbolisiert einen größeren Konflikt: Wo spart Berlin, wenn es sparen muss? Der JugendKulturService warnt in ihrem offenen Brief: „Ein Theater wie dieses ist mehr als ein kultureller Ort – es ist für viele Kinder ihr erster Kontakt mit Theater überhaupt. Es prägt. Es öffnet. Es bildet.“
Christian M. Goldbeck, Vater eines fünfjährigen Sohnes, wird politisch deutlich: „Wenn es der Berliner Kulturpolitik ernst ist mit ihrem eigenen Anspruch, Vielfalt, Teilhabe und Bildung zu fördern, dann müssen solche Häuser geschützt werden.“
Die erschwinglichen Eintrittspreise von 8 Euro ermöglichen auch einkommensschwachen Familien den Theaterbesuch. Viele Eltern betonen: Andere Puppentheater verlangen oft das Doppelte. Hier wird niemand ausgeschlossen.
Fazit: Ein Theater kämpft – mit Ihnen und für Sie!
Das Fliegende Theater ist mehr als eine Bühne. Es ist Bildungsstätte, Integrationshelfer, Familientreffpunkt. Die Elternstimmen zeigen: Hier entsteht etwas, das keine App ersetzen kann – echte Begegnung, geteiltes Staunen, analoges Glück.
Die Politik muss verstehen: 67.000 Euro Förderung sichern einen unersetzlichen Kulturort. Die Alternative ist ein weiterer weißer Fleck auf Berlins Kulturlandkarte.
Werden Sie Teil der Bewegung. Schreiben Sie Ihre Geschichte. Teilen Sie diesen Aufruf. Für ein Theater, das Kinderherzen höher schlagen lässt.
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